TIM MEYER Vertriebsleiter

Tim Meyer: Vertriebsleiter

Eigentlich wollte er wegen seiner Liebe zur Luftfahrt Fluglotse werden, hat sich dann aber doch für ein duales BWL Studium entschieden und seine Karriere im Presse-Grosso begonnen. Er hat sozusagen Vertrieb von der Pike auf gelernt, was ihn heute zum Experten für alle Handelsstufen macht. Seinen Tag beginnt er meist mit einem Blick über die aktuellen Verkaufsdaten getreu seinem Motto „Da geht noch mehr“. Tim Meyer ist immer auf der Suche nach dem kleinen Detail, dem fehlenden Puzzleteil, um für seine Kunden noch ein paar Prozent mehr herauszuholen. Logisch, dass er eine große Schwäche für Excel-Tabellen hat und seine Kollegen damit auch schon mal zur Weißglut treiben kann. Aber genauso intensiv analysiert er „seine“ Zeitschriften inhaltlich und hat schon manchem Verleger wertvolle Tipps zur Verbesserung oder für neue Heftideen gegeben. Auch als leidenschaftlicher Familienvater kennt er selten Stillstand, doch hier überzeugt er lieber mit Grillkünsten statt mit Excel-Skills.

Was macht einen modernen Pressevertrieb aus?

Die Liebe zum Detail – das ist das Entscheidende! Der Blick auf das Ganze ist interessant und gibt erste Eindrücke, aber die Tiefen-Analyse der Daten ermöglicht eine qualifizierte vertriebliche Strategiesteuerung. Immer wieder neue Ansätze im Marketing, der Mengensteuerung und der Arbeit mit Handelspartnern zu finden – angepasst an die individuelle Objektstrategie – das macht einen modernen, ganzheitlichen Ansatz aus. Hier müssen Vertrieb und Verlag Hand in Hand arbeiten. Ein Festhalten an gewohnten Mustern hilft nicht weiter.

Wie findet man heute erfolgreich Zielgruppen für neue Magazin-Produkte?

Wir beschäftigen uns intensiv mit der Zielgruppe, wollen ihren Bedarf verstehen und wie sich der Markt entwickelt. Dazu stellen wir Fragen: Welche Segmente können noch erschlossen werden? Welche Segmententwicklung muss man bei der Entwicklung des eigenen Titels berücksichtigen? Häufig werden dabei Strukturen oder Schwerpunkte sichtbar, die vorher nicht bekannt waren. Es macht einen Unterschied, ob ich glaube, dass ich in Buchhandlungen meine Zielgruppe finde, oder in einer Analyse mittels valider Daten feststelle, dass in Wirklichkeit kleinere Supermärkte für diesen Titel erfolversprechende Verkaufsstellen sind.

Was macht Magazinvertrieb heute erfolgreich?

Die Überzeugung, das Richtige zu tun – und das nicht nur aus dem Bauch heraus! Alte Vertriebsweisheiten sind einfach zu kommunizieren aber im Handel nicht mehr überzeugend. Wenn ich etwas behaupte, prüfen meine Handelspartner die Glaubwürdigkeit dieser Aussage. Finden sie keine Gegenargumente, habe ich sie überzeugt. „Mittäter“ finde ich nur, wenn ich schlagkräftige und belegbare Argumente habe.

Was macht die VU in diesem Bereich besser als der Wettbewerb?

Wir überlassen nichts dem Zufall. In kurzer Zeit können wir umfangreiche Datenanalysen erstellen, da wir uns mit den Möglichkeiten und der IT-Infrastruktur unseres Mutterkonzerns, der Bauer Media Group, sehr flexibel und strukturiert aufgestellt haben. Durch Standardisierung haben wir erreicht, dass wir schnell den Blick auf das Wesentliche haben.

Wo liegen die Käufererwartungen von heute?

Der Käufer möchte überrascht werden. Natürlich gibt es eine Vielzahl, die gezielt ihr Produkt kauft. Aber die letzten Prozente macht die Situation am POS aus. Hier gilt nach wie vor die alte Vertriebsweisheit, dass richtige Menge zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein muss. Dieses erreiche ich nur, wenn ich die richtigen Schlüsse aus meinen Daten ziehe. „Viel hilft viel“ geht theoretisch immer, führt aber nicht zu wirtschaftlichen Ergebnissen. Die richtige Menge am richtigen Ort kann durch gezielte Vertriebsstrategien erreicht werden. Der Käufer erwartet, dass ihn ein gutes Produkt im richtigen Umfeld überzeugt.Das gute Produkt macht der Verlag, aber wir bringen den Titel in eben dieses Umfeld, so dass es dort gesehen und letztendlich gekauft werden kann.

Was war in deinen Augen ein echtes Projekt-Highlight aktuell oder in der Vergangenheit?

Die Arbeit mit den POS Daten ist und war ein besonderes Projekt, das wir ständig weiterentwickeln. Die Automatisierung der Verteilererweiterungsanalyse z.B., der Blick auf Geschäftsarten und die Vergleiche von Händlergruppen haben uns in der Analyse und dem Verständnis der Märkte enorm weitergebracht. Aktuell arbeiten wir an der voll-automatisierten Auftragserteilung bei auffälligen POS Daten für unseren Grossoaußendienst. Mit immer neuen Ansätzen erarbeiten wir uns zudem neue Sichten auf die Märkte, so dass wir diese unseren Verlagskunden besser erklären und zusammen Schlussfolgerungen für Titel- und Vertriebsstrategien ableiten können.

Wie wird sich der Pressevertrieb in Zukunft entwickeln und wie bereitet sich die VU darauf vor?

Die Auflagen der einzelnen Titel werden tendenziell weiter sinken, die Zielgruppen werden spitzer. Zugleich aber steigt die Zahl der Zeitschriftentitel weiter. Der Blick auf Details wird damit immer entscheidender. Durch Effizienzdruck wird die Individualität in der Zusammenarbeit mit den Handelspartnern zwar reduziert, trotzdem bleibt der persönliche Kontakt enorm wichtig. Deshalb ist es wichtig, die Prozesse weiter zu automatisieren, die auch – oder sogar besser - von Maschinen abgebildet werden können. Nur so können wir uns die Freiräume schaffen, um weiterhin im persönlichen Austausch nach Lösungen und neuen Ideen zu suchen. Dieses bleibt auch in Zukunft das Credo der VU.