HANS WIES Vertriebsleiter

Hans Wies: Vertriebsleiter

Dass Vertrieb längst nicht immer nur aggressives Verkaufen und die Jagd nach Zahlen bedeutet, zeigt Hans Wies, der bereits seit 1991 Vertriebsleiter bei der Verlagsunion ist. 1982 als Assistent gestartet, übernahm er den Job nach einem kurzen beruflichen Abstecher als Importeur englischer Zeitschriften. Seitdem setzt der auch niederländisch sprechende Familienvater, Freizeitwanderer und Rockmusiker seinen Schwerpunkt auf ausländische Verlage. Für den kommunikativen Teamplayer ist ein gutes Miteinander das Wichtigste. Auch sein Selbstverständnis weicht vom reinen „Verkaufen! Verkaufen! Verkaufen!“ ab: Er sieht sich selbst vielmehr als Berater, der wirklich hinter allen Projekten steht und deshalb mit vollem Herzen dabei ist. Nächstes Ziel: die schottischen Highlands, dann aber rein privat.

Wie hat sich der Magazinmarkt seit deiner Rückkehr zur Verlagsunion verändert?

Zwei große Disruptionen sind durch den Gesamtmarkt gegangen: Mit der Einführung des Internets und der ersten Onlineangebote wurden bestimmte Magazinsparten stark attackiert. Erotik- oder Computermagazine etwa sind mittlerweile nahezu vollständig ins Internet gewandert. Der zweite Schritt nach der generellen Digitalisierung war das Aufkommen der Smartphones und die zunehmenden „Mobile-First“ Strategien der Medienschaffenden. Die Art des Medienkonsums hat sich verändert und erfordert ein starkes Umdenken in der Konzeption.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen im internationalen Vertrieb?

Der Markt richtet sich verstärkt an Trends aus, die Verlage müssen mit innovativen Formaten auf kurzfristige Bewegungen reagieren, die teilweise regional beschränkt oder zeitlich versetzt auftreten. Die Fähigkeit, Trends zu erkennen – sei es thematisch, technologisch oder im Hinblick auf neue Formate – wird zu einem immer wichtigeren Aspekt im Wettbewerb. Entwicklungszyklen für Formate werden immer kürzer und so müssen auch wir unser Angebot stetig optimieren um den Kunden den besten Service anzubieten.

Was zeichnet die Verlagsunion gegenüber der Konkurrenz aus?

Auch wenn wir für den Vertrieb der Titel zuständig sind, denken wir als Medienhaus. Unser Fokus liegt ganz klar auf einer intensiven Beratung. Wir empfehlen nur Projekte, die wir als Verlag selber produzieren würden. Für uns ist das Wichtigste, ein ganzheitliches Konzept zu erstellen und von Beginn an die Einführung eines Titels mit unserem Service zu begleiten.

Hast du ein persönliches Projekt-Highlight der letzten Jahre?

Das war eindeutig „Das Kriminal Magazin“ von Livingston Media. Der Weg bis zur tatsächlichen Veröffentlichung war von vielen Rückschlägen geprägt und es brauchte drei Jahre und intensivste Beratung, bis es tatsächlich verwirklicht wurde. Nun zeigen die Verkaufszahlen aber, dass sich die Mühen gelohnt haben. Gerade das liebe ich an meinem Beruf, wenn wir auch schwierige Projekte am Ende erfolgreich abschließen.

Wie wird sich der Magazinmarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

Wir werden sowohl Inter- als auch Intramedial verstärkt größeren Wettbewerb erleben. Der Markt konsolidiert sich und es wird immer weniger lukrative Magazinthemen geben, auf die sich dann mehr Wettbewerber konzentrieren. Zusätzlich bedrohen andere Mediengattungen, insbesondere das Social Web mit dem Fokus auf schnellen User Generated Content die klassischen Magazine. Der Magazinmarkt wird sich deshalb stärker auf hochwertig produzierte Titel in Nischensegmenten konzentrieren.

Was sind für dich Trendthemen, die besonders gut funktionieren werden?

Unter anderem Kindermagazine, wenn sie die entsprechenden, nachgefragten Lizenzen enthalten. Ebenso Magazine mit einer Mischung aus den Themen Land, Natur und Gesundheit sowie Mindstyle (wie beispielsweise happinez).

Was ist – aus der internationalen Brille betrachtet – typisch für den deutschen Pressevertrieb?

Deutsche Leserinnen und Leser sind mitunter die anspruchsvollsten in Europa. Internationale Verlage müssen in Deutschland deshalb eine Top-Qualität bieten, um den Leser von ihrem Titel zu überzeugen. Der deutsche Markt ist außerdem stark besetzt, was den Markteintritt zusätzlich erschwert.

Was motiviert dich ganz persönlich bei der Arbeit?

Meine Arbeit bietet mir jeden Tag etwas Neues, ich reise viel und habe sehr viel Kontakt mit unterschiedlichen Kunden, so ist meine Arbeit sehr abwechslungsreich. Es bringt mir großen Spaß, zu sehen, wie unsere Arbeit einen Beitrag zum Erfolg von neuen Titeln leistet. Da wir hinter all unseren Projekten auch wirklich stehen, ist es für mich nicht nur ein beruflicher, sondern auch ein persönlicher Erfolg, der mich immer wieder dazu inspiriert, für den Kunden das Beste herauszuholen.